Kimi no Na wa (Your Name)

Ein Beitrag von Vincent Kannengießer 

Mitsuha Miyamizu (Mone Kamishiraishi) lebt zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Yotsuha und ihrer Großmutter in einem Schrein in der Nähe von Itomori – einer kleinen Stadt irgendwo im ländlichen Japan. Taki Tachibana (Ryunosuke Kamiki) dagegen lebt in genau der Stadt von der Mitsuha träumt zu leben, Tokyo. Nachdem ein Komet die Erde passiert, merken beide, dass sie im Schlaf in ihren Träumen ihre Körper tauschen. Dies führt zu einer Menge an komischen Momenten, während die beiden das jeweilige andere Leben entdecken und zu manipulieren beginnen. Als die beiden erfahren, welchen Hintergrund ihr Körpertausch hat, stoßen sie auf eine dunkle Vergangenheit und Zukunft zugleich. Taki setzt alles daran diese zu verändern und Mitsuha vor ihrem scheinbar unausweichlichen Schicksal zu bewahren…

 

„Kimi no Na wa“ beginnt mit einem Kometen der sich in kleinere Stücke teilt, die scheinbar auf die Erde fallen. Erst später im Film wird der Zuschauer darüber aufgeklärt, was diese Szene wirklich zu bedeuten hat. Wer bereits Filme des Regisseurs Makoto Shinkai gesehen hat, weiß vielleicht, dass seine Werke nicht unbedingt dem Genre „Happy End“ zugerechnet werden können. Insbesondere sein Werk „Byousoku 5 Centimeter“(5 Centimeters per Second) stellte Fans, die einen romantischen Film erwartet hatten, mit seinem Ende vor eine harte Probe. Ähnliche Motive wie schon in seinem Film „Kotonoha no Niwa“(The Garden of Words) finden sich auch in Kimi no Na wa. So werden zum Beispiel Züge eingesetzt, um zu versinnbildlichen, wie Menschen und Beziehungen auseinander driften und sich wieder treffen.

Zeit und Erinnerungen spielen im Film eine ganz essentielle Rolle. Fragen wie „Was sind wir ohne unsere Erinnerungen?“ und „Ist Zeit relativ?“ stellen sich dem Zuschauer auch noch nach dem Film. Für Kinder ist er daher aufgrund seines komplexen philosophischen Unterbaus eher nicht geeignet.

 

Optisch beweist Makoto Shinkai, dass er ein absoluter Meister seines Fachs ist. Nicht umsonst schaffte es der Film in der ersten Kinowoche in Japan so viel einzunehmen wie sonst nur die Studio Ghibli Filme „Mononoke-hime“(Princess Mononoke) oder „Sen to Chihiro no Kamikakushi„(Spirited Away). Die Animationen sind sehr detailreich und stellen alles Bisherige weit in den Schatten. Selbst in Szenen, in denen viele Menschen zu sehen sind, werden diese durchgängig auf höchstem Niveau und ohne Qualitätsabstriche animiert. Während Shinkais Film 5 Centimeters per Second von Fans auch gerne „5 Wallpaper per Second“ genannt wird, übertrifft „Kimi no Na Wa“ diesen visuell sogar noch. Sowohl der Schnitt als auch manche Kamerafahrten unterstreichen die herausragende animatorische Qualität. Das Charakterdesign, wenn auch nicht sehr tiefgehend, ist glaubhaft und verzichtet weitgehend auf die üblichen Klischees.

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„Bitte mach aus mir einen gut aussehenden Jungen aus Tokyo in meinem nächsten Leben!“

 

Besonders erwähnt werden muss der Soundtrack. Für diesen konnte Shinkai seine Lieblingsband RADWIMPS gewinnen. Gemeinsam arbeiteten sie vier Monate lang an der Filmmusik. Die investierte Zeit hat sich in jedem Fall gelohnt! Jeder Titel passt auf die jeweilige Szene, setzt punktgenau ein und trägt ganz wesentlich zum jeweiligen Stimmungsbild bei. Die Lyrics der drei Hauptstücke fügen sich wunderbar in die Geschichte des Films ein und sind schon jetzt Hits in Japan.

Für mich persönlich ist „Kimi no Na Wan“ der Film des Jahres 2016. Er ist traurig, fröhlich, höchst dramatisch, spannend, philosophisch und vor allem sehr unterhaltend. Nicht umsonst steht der Film bereits auf der Liste der potentiellen Oscar Nominierungen. Unbedingt ansehen!