Von hieraus geht der Tod in die Welt!

Von hieraus geht der Tod in die Welt!

Ein Beitrag von Gianna Niemeyer

Der Dokumentarfilm „Vom Töten Leben“ (D. 2016) geht der Frage nach, wie es sich in einer Stadt lebt, aus der täglich Kriegs-und Rüstungsexporte in von Krisen erschütterte Regionen auf der ganzen Welt geliefert werden.

Wolfgang Landgraeber reiste 30 Jahre nach seinem ersten Kinodokumentarfilm „Fern vom Krieg“ (1984) in die idyllische Kleinstadt Oberndorf zurück, um Antworten darauf zu finden, wie Menschen mit dem Wissen leben, dass aus ihrem Dorf der Tod in die Welt geht. Was hat sich seit seinem ersten, Aufsehen erregenden Film geändert?

screen-shot-2016-11-22-at-10-48-45-am

Als sich die Friedensbewegung 1984 auf dem Höhepunkt befand, sorgte er für lebhafte Diskussionen rund um die Waffenindustrie in der alten Bundesrepublik. Seit fast 70 Jahren produziert die traditionsreiche deutsche Firma Heckler&Koch (vormals Mauser) im idyllischen Baden-Württembergischen Oberndorf Pistolen, Gewehre und automatische Waffen für Kriege und Bürgerkriege.

Der preisgekrönte Dokumentarfilmer und Regisseur porträtiert gemächlich, aber ohne Fingerzeig, dass in dem Dorf wenig Diskussion stattfindet. Die 170- jährige „Tradition“ angenommen, ohne sie zu hinterfragen. Es liegt ein Gefühl von Scham über der Idylle von Oberndorf – ausgedrückt durch Schweigen. Schöne Landschaftsaufnahmen korrelieren mit Bildern geschlossener Geschäfte und heruntergekommener Häuser. Landgaeber vermag es, die Verflochtenheit von kleinstädtischer Idylle vor dem Hintergrund weltweiter Krisenherde aufzuzeigen.

Einzig der Oberbürgermeisterkandidat Roland Biswurm, der zu der Gruppe der Friedensaktivisten gehört, spricht allzu gerne über das Dilemma in seinem ehemaligen Wohnort. Mit Musik, Gesprächen und Stammtischen versucht er zum Denken anzuregen, erreicht aber meist nur diejenigen „Außenseiter“ mit ähnlicher Position.

Trotz des brisanten Themas fehlt die Meinung derjenigen, die die Gegenseite der Protestaktion darstellen – die der Firma Heckler&Koch. Interviewanfragen des Regisseurs wurden unbeantwortet ignoriert, den Mitarbeitern wurde der Kontakt zur Presse untersagt und die, die dennoch etwas zu sagen hätten, bleiben stumm.

Wer sich erhofft, durch diesen Dokumentarfilm inhaltliche Details zu den Waffenexporten der Bundesrepublik Deutschland zu erfahren, sollte sich vorher auf Eigenrecherche begeben. Anstatt politischer Informationen liegt der Fokus des Films auf einem tiefen Einblick in eine einzigartige Dorfgeschichte und seinem Schicksal.

Der am 7. Mai beim Münchner Dokfest uraufgeführte Dokumentarfilm wird am 23.11.16 um 23:25 Uhr im WDR Fernsehen erstausgestrahlt.