Piper

Ein Beitrag von Lisa Brinkmann

„Piper“ (2016) ist ein computeranimierter Kurzfilm des Regisseurs Alan Barillaro. Er wurde von den Pixar Animation Studios produziert und als Vorfilm der erfolgreichen Disney-Pixar-Produktion „Findet Dorie“ gezeigt. Der Kurzfilm handelt vom hungrigen Strandläufer-Baby Piper, das seine Angst vor dem Wasser besiegen muss, um am Strand Nahrung zu finden. Die von Pantomime getragene Handlung wird von der Liebe zum Detail und Charme geprägt. Frei von Kitsch werden Fürsorge und Neugierde zu zentralen Elementen des Films.

Es ist eine Geschichte des Erwachsenwerdens, denn Piper wird von der Vogelmutter zum ersten Mal mit an den Strand genommen, um selber Futter zu suchen. In seiner Aufregung und Neugier auf die neue Umgebung achtet der kleine Vogel nicht auf das Verhalten der vorsichtigen, erwachsenen Strandläufer. Piper läuft daher nicht rechtzeitig zum trockenen Strandteil zurück und wird von der Brandung erfasst. Traumatisiert von diesem Erlebnis traut sich Piper nicht mehr an den Strand zurück. Die Mutter bleibt jedoch unnachgiebig, so dass der kleine Vogel nach und nach seine Angst vor dem Wasser überwinden muss.

Der sechsminütige Kurzfilm wurde über die Dauer von drei Jahren hinweg entwickelt – entstand allerdings ursprünglich völlig ungeplant. Alan Barillaro entwickelte die Grundidee in seiner Freizeit – als Testobjekt, um mit Computeranimations-Software zu experimentieren. Normalerweise konzentriert sich Computeranimation lediglich auf ein Element: Wasser, Federn oder Sand. Barillaro schaffte es in „Piper“ jedoch, alle drei Elemente realistisch zu verbinden. Dafür entwickelte er unter anderem Vogel-Modelle mit 4,5 bis 7 Millionen Federn und sogar die Sandkörner rund um Pipers Füße wurden individuell platziert. Der Kurzfilm verkörpert also echte Handarbeit und diese Hingabe ist sichtbar.

Bereits die Eröffnungsszene zeigt eine Landschaft, die zunächst nicht als Animation erkennbar ist und auch bei den Strandläufern könnte es sich um gefilmte Vögel handeln. Doch der Kern der Animation kommt schnell zum Vorschein. Denn, typisch für Pixar-Animationen, werden die Figuren stark vermenschlicht dargestellt – sei es durch hungriges Bauchgrummeln, menschliche Gestik oder große, ausdrucksstarke Augen. Die Zuschauer können mit dem kleinen Vögelchen mitleiden, wenn es ängstlich piept, den Kopf schüttelt oder sich im Sand versteckt. Dieses Verhalten ruft automatisch einen Beschützerinstinkt hervor und die Freude des Zuschauers ist umso größer, als Piper seine Angst schließlich überwindet und puren Enthusiasmus versprühend durch die Wellen turnt.

Neben der beeindruckenden Animation, den realistisch anmutenden Hintergründen und dem pointierten Humor, kann der Film vor allem mit Herz überzeugen. Die Emotionen und Ereignisse in einem kleinen Vogelleben vermitteln eine tiefere Aussage. So sind die Wellen nur in Pipers Wahrnehmung bedrohlich und als der kleine Strandläufer erkennt, dass nicht alles Unbekannte automatisch gefährlich sein muss, eröffnet sich ihm eine neue, fantastische Welt.

„Piper“ verbreitet, unterstützt von stimmiger Musik, gute Laune und endet bedauerlicherweise viel zu schnell. Es bleibt zu hoffen, dass Pixar das kleine Vögelchen zukünftig ein weiteres Mal über die Leinwand huschen lässt. Bis dahin muss ein Spaziergang zu einem echten Strand genügen. Denn Piper wird so viel Leben eingehaucht, dass es den kleinen Piepmatz einfach tatsächlich geben muss.