Das Schweigen der Lämmer

Ein Beitrag von Johanna Bernhard

 „Quid pro quo. Ich erzähle Ihnen was, Sie erzählen mir etwas.“ So lautet die Verhandlungsbasis zwischen der jungen FBI-Agentenanwärterin Clarice Starling (Jodie Foster) und dem seit acht Jahren inhaftieren kannibalischen, aber brillanten Psychiater Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins). Clarice wird von ihrem Vorgesetzten Jack Crawford (Scott Glenn) auserwählt und zu Lecter ins Gefängnis geschickt, in der Hoffnung brisante Informationen über den aktuellen FBI-Fall „Buffalo Bill“ in Erfahrung bringen zu können. Dieser ist ein Serienmörder, der junge Frauen entführt, ermordet und schließlich häutet, um seinem Wunsch der Metamorphose zur Frau näher zu kommen. Lecter allerdings weigert sich zunächst Auskünfte zu geben. Vielmehr hat er Freude daran, die Psyche der unerfahrenen Clarice zu analysieren – er spielt regelrecht mit ihr. Trotz allem gibt er der Agentin immer wieder verschlüsselte Hinweise, um des Rätsels Lösung näherzukommen.

»Das Schweigen der Lämmer« (Originaltitel: »The Silence Of The Lambs«) ist ein US-amerikanischer Psychothriller, bei dem Jonathan Demme 1991 Regie führte. Der gleichnamige Roman von Thomas Harris galt als Vorlage der Verfilmung. Zudem ist der Streifen einer von lediglich drei Produktionen, die die Big Five (bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin, bestes Drehbuch) der Oscars gewannen. Diese Auszeichnungen sprechen schon für den Film und machen ihn sehenswert. Aber auch abgesehen von diesen Anerkennungen der Filmbranche ist »Das Schweigen der Lämmer« absolut zu empfehlen.

Clarice Starling, die zwar noch keinerlei praktische Erfahrung als FBI-Agentin hat, kommt durch ihre Intelligenz, ihren großen Einfallsreichtum und ihre scheinbare Furchtlosigkeit in der von Männern dominierten Branche außerordentlich gut klar. Gerade diese Unerfahrenheit, manchmal gar Naivität reizt den Psychopaten Lecter. Anthony Hopkins, der den Kannibalen bewundernswert verkörpert, beeindruckt durch seine starren, aufgerissenen Augen, seine fokussierenden, durchdringenden Blicke und seine beunruhigend ruhige Ausstrahlung. Diese Pluralität seiner Persönlichkeit – zum einen die Widerwertigkeit seiner Taten, zum anderen sein aufmerksames, kavaliermäßiges Verhalten – schafft eine insgesamt angsteinflößende Aura. Die vielen Close-Ups und längeren Detailaufnahmen unterstreichen die Atmosphäre des Unwohlbefindens. Diese Stimmung und Spannung wird im gesamten Verlauf des Films aufrechterhalten und durch das Spiel mit Licht und Dunkelheit verstärkt. Insbesondere Zwielicht begleitet die Unergründlichkeit der grausamen Taten des Buffalo Bills. Die Geschehnisse spitzen sich zu als dieser die Senatorentochter von Tennessee entführt, um sein Werk und damit die Metamorphose zu vollenden.
Jodie Foster spielt  die entschlossene und zielstrebige Agentin, die sich oftmals auf eigene Faust um neue Erkenntnisse bemüht, sehr überzeugend. So sucht sie immer wieder das Gespräch mit Lecter, um neue Anhaltspunkte zu finden. Diese verquere, unter Spannung stehende Beziehung steht im Fokus des gesamten Films. Sobald die beiden aufeinandertreffen, scheint man sich auf einer ganz anderen Ebene zu befinden und die tatsächlichen Ermittlungen treten etwas in den Hintergrund. Meiner Meinung nach schadet dies dem Plot und dem Film im Ganzen allerdings keinesfalls. Die intensiven Gespräche zwischen der Agentin und dem Gefangenen tragen entscheidend zur Atmosphäre des Thrillers bei.

»Das Schweigen der Lämmer« ist also mit gleich zwei Psychopathen und der Erzählung über eine junge aufstrebende Agentin maßgeblich prägend für das gesamte Genre des Psychothrillers. Jonathan Demme schuf mit der exzellenten Besetzung der Hauptcharaktere und einer unvorhersehbaren, stets spannenden Handlung ein Meisterwerk, bei welchem Bilder mehr als tausend Worte sagen.