Die Mauer

Ein Beitrag von Thomas Ritzinger

Die Mauer 1

Die Mauer (2016)

»Die Mauer«, die Berlin bis ins Jahr 1989 trennte, gibt dem Kurzfilm von Adi Wojaczek seinen Titel. Protagonist Frank (Christian Stock) flieht von Ost- nach Westberlin, um der Stasi zu entgehen. Im neuen Leben plagt ihn eine Depression, denn er musste etwas zurücklassen. Ein Hoffnungsschimmer glimmt auf, als er die offenherzige Sabine (Yazmeen Baker) kennenlernt, die einen Gegenpol zu dem ziellosen West-Leben Franks darstellt.

Das sensible DDR-Drama handelt von Franks Beziehung zu Sabine, von Erinnerungen an die Konfrontation mit der Stasi, und dann sind da noch die Briefe, die Frank an eine andere Frau schreibt.

Wojaczek erzählt die Geschichte in ästhetischen, ruhigen Bildern. Langsam führt uns der Regisseur in das Geschehen und lässt die historische und politische Situation plastisch und greifbar werden. Ausstattung (Nele Geke), Maskenbild (Anna Kunz, Jasmin Bäumer) und Locations tragen einen maßgeblichen Teil zur Stimmung des Films bei und die Musik (Michael Firmont, Björn Steiner) rundet das Gesamtwerk ab.

Die Mauer 2

Die Mauer (2016)

Besonders hervorzuheben sind die drei Hauptdarsteller, die ihre Figuren mit Leben füllen und dem Film Seele verleihen. Christian Stock spielt eine emotionale Krise, die unterschwellig ständig spürbar ist und von einer Zerrissenheit zwischen zwei Welten zeugt. Im Kontrast dazu, begeistert Yazmeen Baker durch Herzlichkeit und Lebensfreude und bietet mit ihrer Rolle eine echte Möglichkeit für Frank, sein emotionales Loch zu verlassen. Michael Marwitz erzeugt als Leutnant Gieseke eine nervenzerreißende Atmosphäre, die Authentizität und theatrale Spannung vereint.

Die Mauer Poster

Die Mauer (2016)

Der Film wirkt pur und schlicht und lässt die Geschichte ohne überflüssige Schnörkel wirken. Einzig das Ende ist etwas aufgesetzt, was einem zu plakativen Einsatz der Musik geschuldet ist. Inhaltlich allerdings macht es Sinn und es mag verwundern, wie schnell 20 Minuten Film vorbeigehen konnten.

»Die Mauer« hat es 2016 in die sogenannte Longlist der Kurzfilmoscars geschafft.